Trachten und Dirndl sind mit Kultur und Geschichte untrennbar verbunden

So, wie die Architektur einer Region, einer Epoche zur Kultur des Menschen gehören, zählt auch die Kleidung zur Historie. Die Menschen von heute sind das, was sie sind, weil sie verschiedene Phasen erlebt und mitgemacht haben. Das Dirndl von heute aus dem Trachtenshop.de ist der beste Beweis dafür, wie sich aus einer zunächst zweckmäßigen Kleidung, die auch gesellschaftliche Unterschiede markierte, ein modernes, sexy Kleidungsstück entwickeln konnte. Von bäuerlicher Kulturgeschichte ist hier nur noch wenig erhalten: Die Tracht an sich hat nichts mehr mit der Herkunft, dem Stand eines Menschen gemeinsam. Sie ist gesellschaftsfähig, die Unterschiede in Stoffen und Verarbeitung haben sich relativiert; die Menschen, die heute Trachten anziehen, gehen damit aus, um Spaß zu haben, einem gemeinsamen Hobby nachzugehen.

Trachten: Was sie früher waren

Das Dirndl von heute und die Lederhose der Moderne waren früher deutlich aussagekräftiger, als sie es heute sind. Heute geht es darum, modern und zur Figur passend angezogen zu sein. Früher machte aber zum Beispiel der Stoff eines Dirndls viel Unterschied: Die Magd hatte ein Dirndl an, ebenso aber die Bäuerin auf einem großen Hof. Beide hatten Alltagskleider und Sonntagskleider – der Unterschied war nur, dass das Dirndlkleid, das die Bäuerin am Werktag trug, von deutlich besserem Stoff war, als das – meist einzige – Sonntagskleid ihrer Magd. Schon in der Auswahl der Stoffe zeigte sich, wer Herr und wer „Gesindel“ war. Schöne, bunte Stoffe, Muster und Seide gab es nur für die reichen, die Bauern, die es zu etwas gebracht haben. Die arme Magd hatte braune, naturfarbene Stoffe – ließ sie, wie auch immer sie es schaffte, ihr Kleid besser ausfallen, als es ihr „zustand“, gab es Gerede: Ein „Frauenzimmer“ war man zur damaligen Zeit schneller, als man es aussprechen konnte – für die Magd standen Bescheidenheit und Zurückhaltung als Lebensinhalt zur Verfügung.

Das Sonntagskleid, das auch zum Tanzen angezogen wurde und über viele Jahre halten musste, war zwar mit einer etwas schöneren Schürze, vielleicht einer hübscheren Bluse ausgestattet – jedoch alles in allem war der Sonntagsstaat der Bäuerin für immer unerreichbar. Heute gibt es, zum Beispiel im Komödienstadel (de.wikipedia.org) Theaterstücke, die in der damaligen Zeit spielen: Hier wird der Unterschied zwischen den Gesellschaftsschichten sehr deutlich, ob in den alten Sendungen mit Gustl Bayrhammer und Maxl Graf – oder in den Theaterstadl Folgen  von und mit Peter Steiner. Dass diese Aufführungen so beliebt sind, liegt daran, dass sich hier Kultur, also die Geschichte, und Unterhaltung in bester Weise kombinieren.

Der Bayrische Trachtenverband: Verein zum Erhalt der Kultur

Mit Stolz die Trachten zu tragen, alte Heimatlieder zu kennen und die Tänze aus Überlieferungen aufzuführen: Auch so kann die Jugend von heute aussehen. Dass vor allem junge Menschen sich für die Tracht begeistern, sich in Lederhosen und Dirndlkleid treffen, um das Brauchtum hochleben zu lassen, erfreut vor allem den www.trachtenverband-bayern.de, der sich seinerseits aber auch sehr dafür einsetzt, dass junge Freunde gefunden werden, die die Tradition weiterführt, die alten Bräuche an die nächsten Generationen weitergibt und so fort. Ein Beweis für das Bestreben, Kultur zu bewahren und  auch heute – angesichts von Laptop, Smartphone und Hip Hop – an die Menschen heranzuführen, ist das Haus der bayerischen Trachtenkultur, das als sehr wichtiges Projekt in dieser Sache anzusehen ist.

Sind Trachten eine Verkleidung oder ein Bekenntnis zur Kultur?

Nicht selten staffieren sich vor allem nicht-bayrische Besucher vor ihrer Reise in bayrische Gefilde mit Dirndl und Lederhose aus. Wollen sich diese Menschen verkleiden oder bekennen sie sich damit zur Kultur? Diese Frage kann pauschal wohl nicht beantwortet werden. Würden diese Leute in diesen Outfits zu Hause am Arbeitsplatz im Büro erscheinen, wären wohl manche skeptische Blicke die Folge. Aufgepeppt mit modischen Elementen wird aber aus der „Jeans und T-Shirt“ Familie ein schmuckes Fotomotiv – wie das Bild auf www.focus.de beweist. Turnschuhe, Wanderschuhe, Pumps, Ballerinas, ein Anzughemd statt Trachten-Oberteil: Die Kombinationen sind weit gefächert und durchaus alle erlaubt. Schicke Mode, mit traditionellen und kulturellen Wurzeln: Wo sonst findet man dies, außer bei den Trachten?

Kommentieren ist momentan nicht möglich.