Kultur umgibt uns fast überall

Nietzsche bezeichnete die Kultur einst als Einheit des künstlerischen Stils, der in allen Lebensäußerungen eines Volkes steckt. Damit hatte er sicher nicht unrecht, denn am Ende ist es die Kultur, die ein Land, ein Volk und eigentlich den ganzen Erdball ausmacht, die dem Menschen eine Identität gibt, ihm einen Wegweiser bietet, an dem er sich orientieren kann, die ihn allerdings auch einengen kann, weshalb oft auch von kulturellen Zwängen die Rede ist. Wie wichtig die Kultur für den Menschen ist, stellen Reisende oft fest. Je weiter weg die Reise führt, desto häufiger ist die Rede vom sprichwörtlichen Kulturschock. Dagegen hilft auch keine wie auch immer geartete Reiseversicherung. Wer in die Ferne strebt, muss sich zwangsläufig mit fremden Kulturen auseinandersetzen. Jedenfalls dann, wenn man nicht den ganzen Tag am Strand oder im Hotel verbringen möchte. Man muss sich nur trauen, denn ist der erste Schock über die neue Kultur erst einmal überwunden, kann die eigene Kultur durch die Begegnung mit der Fremde eigentlich nur gewinnen.

Menschen, die sich mit fremden Kulturen auseinandersetzen möchten, bietet unsere Kultur eine bequeme Möglichkeit an. Mit dem Computer ist es kein Problem mehr, zu verschiedensten Kulturen in den unterschiedlichsten Zeiten zu reisen – jedenfalls virtuell. So ist es vom heimischen Rechner zum Beispiel möglich, einen Rundgang durch das alte Rom zu machen oder sich Pompeji anzusehen, bevor der Vesuv ausbrach und diese alte Kultur unter Asche begrub.

Ein Besuch bei alten Kulturen

Um sich über Kulturen zu informieren und von ihnen zu lernen, muss man also nicht unbedingt in die weite Welt reisen. Und natürlich gibt es außer dem Rechner noch andere Möglichkeiten. Zahlreiche Museen beschäftigen sich hierzulande mit Kultur und Kulturen. Ob Gemäldesammlung oder archäologische Ausstellungen – praktisch jedes Museum ist voll und ganz der Kultur gewidmet. Und so ein Besuch im Museum kann manchem die Augen öffnen. Vor allem jenen, die alt mit rückständig gleichsetzen. Denn das stimmt keineswegs, schufen die alten Kulturen doch teilweise imposante Bauwerke, an denen sich in der heutigen Zeit der eine oder andere Architekt oder Bauingenieur sicher die Zähne ausbeißen dürfte. Aber auch im Kleinen wusste man in den alten Hochkulturen das Leben durchaus zu genießen. Das beste Beispiel hierfür sind die Römer. Diese errichteten öffentliche Badehäuser, die weniger dem Säubern sondern vielmehr der Erholung und dem gesellschaftlichen Leben dienten. In der deutschen Kultur gibt es so etwas nicht mehr. Hier suchen viele Erholung im eigenen Jacuzzi. In der Kultur der Türken sieht das aber wieder ganz anders aus. Hier gibt es noch öffentliche Dampfbäder, die, genau wie die Badehäuser der alten Römer, wichtige gesellschaftliche Zwecke erfüllen.

Die Kultur des Wohnens

Was auf Badehäuser zutrifft, gilt natürlich auch für das Wohnen. Ein Besuch in Städten, deren mittelalterlicher Stadtkern noch weitestgehend erhalten geblieben ist, zeigt schnell, wie unsere Vorfahren vor einigen Hundert Jahren lebten. Die dicht zusammengedrängten Häuser, die nur von schmalen Gassen durchbrochen werden, zeigen, was früher hinter ihren Mauern gang und gäbe war. Enge und Platzmangel. Ein kleiner Raum musste für eine Großfamilie reichen – heute möchte jeder sein eigenes Zimmer. Geschlafen wurde auf dem Boden, auf einer harten Unterlage – heute verlangen viele nach Wasserbetten. Freiräume und Privatsphäre gab es im Mittelalter nicht.

Im Laufe der Zeit verbesserten sich die Platzverhältnisse und damit natürlich auch die Wohnverhältnisse. Wer vor hundert Jahren in einer verrauchten Küche stand, hätte es sich sicherlich nicht träumen lassen, dass es irgendwann einmal Dunstabzugshauben geben wird. Doch die Häuser und Wohnungen wurden größer und komfortabler und der Erfindungsgeist des Menschen tat sein Übriges dazu. Wo früher drei oder mehr Generationen unter einem Dach lebten, hat heute jede Generation ihr eigenes Zuhause. Eine Tatsache, die nicht nur positive Seiten hat, denn dadurch geht auch ein großer Teil der Kultur des Zusammenlebens, des Miteinanders, verloren.

Gebäude, Städte und Landschaften sind Teile unserer Kultur

Viele Museen sind selbst Teil der menschlichen Kultur. Dabei ist es unerheblich, ob es sich bei den Immobilien, die zu Museumszwecken genutzt werden, um einen Neubau oder ein altes Gebäude handelt. Ganze Stadtviertel oder Altstädte stehen für Kulturen. Ein Blick auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO genügt, um festzustellen, dass der Mensch von der Kultur umgeben ist, ja in ihre lebt und folglich ein Teil davon ist. Überall dort, wo der Mensch eingreift, prägt er die Welt. Er drückt ihr seinen Stempel auf. Wo der Mensch dauerhaft siedelt, entsteht immer eine sogenannte Kulturlandschaft. Dieser Begriff wird besonders häufig in Zusammenhang mit landwirtschaftlichen Eingriffen in die Landschaft gebraucht. Aber auch der Bau einer Straße, einer Brücke oder einer Siedlung verändert die Landschaft und macht sie folglich zu einer Kulturlandschaft.

Auch Essen ist Kultur

Wenn es um das Thema Kultur geht, vergessen viele, dass auch Essen dazugehört. Man spricht ja schließlich nicht umsonst von einer Esskultur. Auch diese Kultur hat sich im Lauf der Jahrhunderte weiterentwickelt, auch wenn man das nicht immer glauben mag. Besonders dann nicht, wenn man Leute beobachtet, die sich mit Fast Food abmühen. Man kann sagen, dass die Kultur des Essens mit der Entdeckung des Feuers begann. Denn ab diesem Zeitpunkt konnten die Menschen ihre Nahrung erst richtig zubereiten. Und ein kleiner Teil dieser archaischen Zubereitung der Nahrung muss sich in den Gehirnen der meisten Männer bis in die heutige Zeit gerettet haben. Auch wenn es heutzutage keine Lagerfeuer, sondern Gasgrills gibt. Die Zubereitung des Fleischs über einer Flamme ist das älteste Zeugnis unserer Esskultur. Und auch in diesem Zusammenhang besteht für viele die Möglichkeit, auch heute noch mit einer fremden Kultur direkt vor der Haustüre in Berührung zu kommen und erneut einen Kulturschock erleiden zu müssen. Man denke nur an die Regeln, die man in einem noblen Sternerestaurant einhalten sollte. Für viele wirkt das durchaus wie eine andere Welt – oder eben eine andere Kultur.

Kultur am Körper

Eine weitere kulturelle Errungenschaft der Steinzeit ist die Kleidung des Menschen. Natürlich liefen die Neandertaler damals nicht im Anzug über das Land, dafür hüllten sie sich in Tierfelle. Was auf den ersten Blick etwas martialisch erscheint, erweist sich auch in der heutigen Zeit durchaus noch als aktuell. Viele Schuhe bestehen zum Beispiel aus Leder, welches nichts anderes als Tierhaut ist. Viele Frauen legen heute Wert auf eine große Auswahl an Schuhwerk. Man könnte sagen, nicht wenige definieren sich über ihre Fußbekleidung, sie ist sozusagen Teil ihrer persönlichen Kultur.

Ähnlich wie auch Schmuck, der ja auch auf eine weit zurückreichende Geschichte kultureller Art zurückblicken kann. Besonders die Reichen und Mächtigen versuchten schon immer ihren Status dadurch zu zeigen, indem sie sich mit wertvollen Gegenständen schmückten. Manchen Herrschern genügte das aber nicht. Sie wollten ihren Untertanen und vor allem anderen Herrschern demonstrieren, über wie viel Reichtum und Macht sie verfügten. August der Starke hat sich in dieser Hinsicht ganz besonders hervorgetan. Zwischen 1723 und 1730 ließ er eine Schatzkammer errichten, die die Besucher restlos überzeugen sollte, dass sie es mit einem mächtigen und außerordentlich reichen Herrscher zu tun hatten. August der Starke ist längst tot, seine Schatzkammer aber hat als Grünes Gewölbe die Zeiten überdauert und ist heute einer der Besuchermagneten Dresdens.

Schuhwerk und schmückendes Beiwerk mögen ganz schön sein, doch nützen sie wenig ohne Kleidung. Mit der Kulturgeschichte der Kleidung könnte man ganze Bücher und Bibiliotheken füllen. In unserer Zeit muss Kleidung in erster Linie funktionell sein. Gleichzeitig erfüllt sie in vielen Fällen aber auch ein kulturelles Zusammengehörigkeitsgefühl. Das beginnt schon auf dem Schulhof. Wer Kleidung des falschen Herstellers trägt, gehört nicht dazu und wird außenvorgelassen. Wie tief der Zwang, die richtige Kleidung tragen zu müssen in unser aller Kultur verankert ist, ist leicht an vielen Beispielen zu erkennen. Von einem Bankangestellten erwartet man, dass er uns in Anzug und Krawatte bedient. Seine Beratung hätte zwar auch dieselbe gute oder schlechte Qualität, wenn er in T-Shirt und kurzer Hose vor dem Kunden stehen würde, aber auf sehr viele Menschen würde das befremdlich wirken. Der Anzug gehört einfach zum Bankangestellten, wie die Uniform zum Polizisten. Diese Reihe könnte man noch lange fortsetzen, denn viele gesellschaftliche und berufliche Gruppen haben sozusagen ihre eigenen Trachten.

Kultur auf vier Rädern

Für die einen sind sie ein Ärgernis, für andere wiederum ein unverzichtbarer Teil ihres Lebens und ihrer Kultur: Autos. In jedem Fall sind sie Teil unserer modernen Kultur, denn sie spiegeln den Geist der Zeit wieder, in der sie gebaut worden sind. Manch altes Modell wirkt heute auf uns befremdlich, manches gar hässlich. Andere wiederum haben ihren Reiz auch über Jahrzehnte hinweg nicht verloren. Sie sind schlicht und ergreifend zeitlos und wohl noch lange ein wichtiges Zeichen für die Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts.

Ein weiteres Indiz dafür, dass Fahrzeuge Teil unserer Kultur sind, ist, dass der Mensch sie in Museen ausstellt. Automuseen sind Besuchermagneten und je seltener und wertvoller die dort ausgestellten Gefährte sind, desto höher sind in der Regel auch die Besucherzahlen. Das gilt natürlich auch für andere Museen. Kostspielige Gemälde locken zum Beispiel mehr Menschen an, als eine Ausstellung von Hobbymalern. Um zu verhindern, dass eine weitere Kultur, nämlich die des Neids, dafür sorgt, dass die Bestände in Museen durch Diebstahl dezimiert werden, wenden sich viele Betreiber von Museen, in denen sehr wertvolle Exponate gezeigt werden, an eine Detektei, um sich beraten und vor Diebstählen und Vandalismus schützen zu lassen.